Ein Weg für Perouse und die Waldenser

Eine neue Straßenbezeichnung nimmt jetzt im nordhessischen Waldenserdorf Gottstreu (Gemeinde Wesertal) Bezug auf die schwäbischen Wurzeln des Ortes, der Perouser Weg. Auf Vorschlag des örtlichen Vereins der Waldenserfreunde konnte das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Gottstreuer Ortsbeirat und der Gemeinde Wesertal realisiert werden.

Zur Widmung des Weges war aus Württemberg Dorothea Vinçon (1. Vorsitzende der Deutschen Waldenservereinigung) mit Familie angereist. Ortsvorsteher Karsten Bock und Bürgermeister Cornelius Turrey freuten sich über den Besuch aus dem Süden und hoben in ihren Grußworten die Bedeutung des neuen Straßennamens und der wichtigen Nord-Süd-Verbindung hervor. Thomas Ende, Vorsitzender des örtlichen Vereins der Waldenserfreunde und DWV-Beirat, wies auf die historischen Zusammenhänge hin: Perouse ist eine der schwäbischen Muttergemeinden Gottstreus. 1699 wurde der Waldenserort nahe Stuttgart gegründet – zu den damaligen Kolonisten zählten auch die Familien der späteren Weserwaldenser. 1720 waren sie allerdings aus wirtschaftlicher Not in Richtung Norden fortgezogen, erreichten vor genau 300 Jahren das Wesertal und gründeten 1722 Gottstreu. Etwa die Hälfte der ersten Familien hatte Perouser Wurzeln (Rivoir mit mehreren Zweigen, Bertalot, Bonnet, Bertolin, Héritier).

Als 1. Vorsitzende der DWV überbrachte Dorothea Vinçon herzliche Grüße. Sie selbst ist Perouserin. Mit im Gepäck hatte sie einen besonderen Baum: „Ein Geschenk habe ich Ihnen zum Perouser Waldenser-Weg mitgebracht, das vieles von dem symbolisiert, was die Waldenser charakterisiert. Ein Baum…von meiner Tochter und mir großgezogen. Eine Robinie, ein Baum, der zäh, ausdauernd, anspruchslos, aber widerstandsfähig ist. Also eine echte Waldenser-Robinie aus Württemberg, die sich auf den Weg hierher machte.“

Naemi Vinçon übernahm unter großem Beifall die offizielle Enthüllung des neuen Straßenschildes.

Durch den Perouser Weg konnte im Gottstreuer Ortsbild ein weiterer Mosaikstein der Waldensertradition sichtbar werden. Dorothea Vinçon wies in ihrem Grußwort eindrücklich auf die vielschichtige Symbolik des Weges hin: „Der Weg der Perouser und vieler anderer Waldenser wäre ohne Gottes Hilfe, ohne seinen Beistand und ohne Gottvertrauen undenkbar und nicht machbar gewesen. Wie gut, dass sie konsequent ihren Glaubensweg gingen und sich nicht von diesem Weg haben abbringen lassen! Sonst wären wir heute nämlich nicht hier. Wie gut, dass uns der Perouser Weg daran erinnert! Bleiben wir also auf dem Waldenser-Weg und lassen uns durch nichts davon abbringen!

Setzen wir das Anliegen unserer Väter und Mütter fort und machen uns auf den Weg, es weiter vorwärts zu bringen. Gehen wir denselben Glaubensweg wie sie und nehmen die größte und alleinige Autorität der Waldenser mit: die Bibel. Mit ihr als Wegbegleiterin werden wir alle Wege gehen können, und sie werden ein gutes Ende finden.“