Erinnerungen an Willi Hönig (1921-2020)

Am 4. September 2020 erreichte uns diese traurige Nachricht: „Heute Morgen ist mein Vater im 100. Lebensjahr gestorben …“

Traurig über diese Nachricht nehmen wir Anteil an der Trauer von Familie Hönig. Gott möge Ihnen, liebe Familie Hönig, in der schweren Zeit des Abschiednehmens besonders nahe sein. Sein Licht, das in der Finsternis leuchtet, sei Ihnen allen Kraftquelle und Zuflucht. Wir vertrauen darauf, dass Willi Hönig in alle Ewigkeit in Gottes Hand geborgen ist.

Für Vorstand und Beirat

Dorothea Vinçon, Präsidentin Deutsche Waldenservereinigung

Erinnerungen

Wilhelm Hönig (meistens wird er Willi Hönig genannt) wurde am 27. Juni 1921 in Rüstringen in der Nähe von Wilhelmshafen geboren. Sein Vater Wilhelm war Kaufmann, sein Mutter Gertrud Modistin.

Willi war wie so viele Jugendliche seiner Generation vom Geist der Bündischen Jugend geprägt, den er auch in der Hitlerjugend nicht aufgegeben hat. Als Soldat wurde er zuerst in Russland, dann als Leutnant auf den Kanarischen Inseln eingesetzt. In Russland erlitt er schwere Erfrierungen an seinen Füßen.

Nach dem Krieg besuchte Willi Hönig von 1947 bis 1950 die Evangelistenschule Johanneum in Wuppertal.

Hönig heiratete am 7. April 1957 in der Heimatstadt seiner ersten Frau, in Aalen in der St.-Johann-Kirche. Das Ehepaar bekam vier Kinder: zwei Söhne (Matthias *1957 und Johannes *1967) und zwei Töchter (Friederike *1958 und Barbara *1960) und nahm außerdem 1975 für fünf Jahre Hans Adebumni aus Nigeria als Pflegesohn an.

Das Waldenserlied

Nach seiner Ausbildung in Wuppertal wurde Willi Hönig Referent für das Jungmännerwerk im Bezirk Stuttgart.

Im Sommer 1951 hörte er zum ersten Mal von den Waldensern. Das war einer Lehrerin zu verdanken, die in der vierten Klasse der Grundschule die Waldensergeschichte vorlas. Hönig verfasste daraufhin den Text des Waldenserliedes „Lux lucet in tenebris“ (Licht leuchtet in der Finsternis) auf die Melodie eines alten bündischen Liedes! Er setzte das Lied in der Jugendarbeit ein. Hönig war sehr musikalisch. Er hatte ständig eine Gitarre dabei und spielt und singt immer noch mit seinen 96 Jahren. Der Text des Waldenserliedes lautet:

Wir wollen nicht wanken noch weichen,
wir wollen zusammen stehn,
woll’n stolz Waldenser heißen,
für Jesus im Kampfe stehn.
Lux lucet in tenebris, Licht leuchtet in der Finsternis,
der Herr geht uns voran. Der Herr geht uns voran.

Wir lassen uns nicht zerreißen,
woll’n Freund und Kameraden sein,
und aller Welt beweisen
die Treue zum Herrn allein.
Lux lucet in tenebris, Licht leuchtet in der Finsternis,
der Herr geht uns voran. Der Herr geht uns voran.

Wir wollen den Posten halten,
auf dem wir jetzt trutzig stehn,
im Glauben an Gottes Walten
in keiner Gefahr vergehn.
Lux lucet in tenebris, Licht leuchtet in der Finsternis,
der Herr geht uns voran. Der Herr geht uns voran.

So schreiten wir durch die Zeiten,
der Herr ist Panier uns und Schild,
für ihn lasst uns ringen und streiten,
Waldenser auf, denn es gilt:
Lux lucet in tenebris, Licht leuchtet in der Finsternis,
der Herr geht uns voran. Der Herr geht uns voran.

Agape

Im Jahre 1952 machte Kurt Hennig, Pfarrer in Stuttgart-West und Vorsitzender des Jugendwerkes, Willi Hönig auf die Arbeit von Tullio Vinay (mit dem Hennig befreundet war) aufmerksam und fragte ihn, ob er Freizeiten in „Agape“ in Prali machen könnte. Hönig nahm diesen Vorschlag gerne auf.

So ging es Ostern 1953 los mit der ersten Freizeit und 50 Leute im Bus (Jürgen Hanßmann und Reinhard Kotschedoff waren dabei, mit denen Willi Hönig noch heute befreundet ist; auch Anneliese Bausch, Landesjugendreferentin im Jugendwerk Stuttgart). Bei dieser Gelegenheit lernte er Tullio Vinay und dessen Ehefrau Fernanda kennen. Seitdem blieb Hönig immer in enger Beziehung mit Vinay.

Tullio Vinnai hatte 1946 angefangen in Prali zu bauen. Acht Jahre dauerte es bis das Haupthaus, das Wirtschaftsgebäude und drei große Schlafhäuser fertiggestellt waren. So war Willi Hönigs Gruppe einer der ersten, die Agape nach der Fertigstellung besuchte

Nun kam der Wunsch, im nächsten Jahr wieder nach Agape zu pilgern. Dieses Mal mit der Bahn an Ostern und 70 Leuten. In Turin wurden sie abgeholt.

Ein weiteres Mal führ Hönig mit 40 jungen Männern mit dem Fahrrad nach Agape. Das war in den Sommerferien 1956. Alle Jugendlichen kamen in einem grünen Hemd und einer Kotenschnur um den Hals und wurden in fünf Koten (finnisches Feuerzelt) mit je acht Jugendlichen untergebracht. So fing die Jungenschaftsarbeit an. Daraus sind vier Theologen hervorgegangen: drei von ihnen, Dr. Klaus Hirsch (Pfarrer in Afrika; Studienleiter Evangelische Akademie Bad Boll), Wolfgang Luz, Dr. Klaus Bannach (1941-2012; Pfarrer und Privatdozent in Tübingen) waren gute Mitarbeiter in der Gemeinde; auch mit Heiner Völker, Landesjugendwart, blieb Hönig in gutem Kontakt.

Seit 1957 nahm der ausgebildete Bauingenieur Paul Fischer, der 1952 die Jungenschaftsleitung übernommen hat, teil an den Jungenschaftssommerlagern von Willi Hönig. 1961 war Hönig wieder in Agape mit etwa 50 Teilnehmern (unter denen mehrere Familien): eins davon war Theo Sorg (damals Leiter des Evangelischen Jungmännerwerks in Württemberg; später wurde er Landesbischof).

Servizio Christiano

Tullio Vinnai hat Hönig viel bedeutet! Deshalb hat Hönig 1960 einen Stamm von Spendern für Servizio Christiano („Christliche Dienst), den Vinay in Riesi auf Sizilien gegründet hatte, zusammengebracht. Die Teilnehmer der Freizeit gaben 9.770.00 D-Mark und Tullio Vinnai konnte damit ein erstes Auto für Servizio Christiano kaufen.

Ab 1961 lebte Tullio Vinnai in Riesi. In den 1960er-Jahren wurde er zum Ehrenbürger in Riesi ernannt. Von 1976 bis 1983 war er im italienischen Senat; Hönig hatte im Gegensatz zu anderen alten Freunden absolut kein Problem damit, dass Vinay sich als „Unabhängiger“ auf der Liste der Kommunistischen Partei Italiens aufstellen ließ. Ein letzter Gruß von Vinay bekam Hönig zu seinem Geburtstag am 27. Juni 1996, kurz vor Vinay’s Tod am 2. September 1996.

Hönig war selbst nie in Riesi, aber seine Tochter Barbara arbeitete 1979/80 nach ihrem Abitur ein Jahr als Freiwillige in Servizio Cristiano. Das Ehepaar Hönig erhält noch heute Mitteilungen von Riesi und unterstützt weiterhin die vielfältigen Aufgaben des Servizio (Kindergarten, Schule, und landwirtschaftlicher Betrieb: Weinberge, Olivenhügel usw.).

Ab 1961

Seit 1961 arbeitete Hönig als Immobilienmakler und lebte bis 1981 in Stuttgart-Feuerbach, wo er Vorsitzender des Kirchengemeinderates war. Von 1981 bis 2008 wohnte er in Wiernsheim, wo er 28 Jahren lang Kirchengemeinderat war. Seine erste Frau starb am 22. Februar 1991. Von 1981 bis 1993 war Hönig Prädikant im Bezirk Mühlacker. In 2008 zog er nach Schömberg. 2001 heiratete er seine zweite Frau, Hannelore Hönig, geb. Pfeffer, in der Wiernsheimer Mauritiuskirche.

Erinnerungen von Willi Hönig, mit Ergänzungen von Jürgen Hanßman, Friederike Hönig und seiner Ehefrau Hannelore Hönig, die 28 Jahre Prädikanten im Bezirk Mühlacker war.

Redaktion: Albert de Lange