Das waldensische Patouà als Fachtagung präsentieren am Samstag in der Waldenserkirche in Serres die Leiterin des Freundeskreises der Waldenser Pinache und Serres, Cornelia Schuler (von links), vom Hugenotten- und Waldenserpfad, Renate Buchenauer, Referentin Daniela Falz aus Serres, Kirchenhistoriker Albert de Lange und Moderator Jürgen Eschmann.

Fachtagung beleuchtete Waldenser-Dialekt Patouà

Mehr als 70 Teilnehmer besuchten am 15. September 2018 die Fachtagung
„Das waldensische Patouà in Baden-Württemberg, seine Bewahrung und Weiterentwicklung im Piemont“ in der Waldenserkirche Serres.

Als sich die Teilnehmer zum letzten Programmpunkt, einer kleinen Wanderung mit Ludwig Gille, auf den Weg machten, waren äußerst zufriedene Gesichter zu sehen. Denn es war ein informativer Tag mit interessanten Vorträgen und einer tollen Organisation und Verpflegung.

Seufzer über das Erlöschen der Sprache

„Sprache, so schöne unserer Väter, der Waldenser, der alten, du bist so zurückgedrängt, Jahr für Jahr hört man weniger diese Sprache Patouà auf der Straße, es ist schade“. So lautet ein Auszug aus dem Gedicht, „Seufzer über das Erlöschen der Sprache nach der Art der Waldenser in Serres“, das die Lehrerswitwe Anna Gillé (1862 bis 1930) aus Serres im Jahr 1903 veröffentlichte und mit dem sie damals den ersten Preis bei den Kölner Blumenspielen errang. Das berichtete Daniela Falz aus Serres im Rahmen der Fachtagung des Vereins Hugenotten- und Waldenserpfad mit dem Titel, „Das waldensische Patouà in Baden-Württemberg, seine Bewahrung und Weiterentwicklung im Piemont“ am vergangenen Samstag in der Waldenserkirche in Serres.

Anna Gillé war die Tochter von Jacques (1832 bis 1903) und Jeanne Gillé (1839 bis 1930) aus Serres. Jeanne Gillé unterhielt sich mit ihrer Tochter Anna noch zeitweise auf Patouà. In ihrem Gedicht, das sie auf Bitte von Johannes Fastenrath, dem Organisator der Blumenspiele, verfasste, beklagte Anna Gillé das Aussterben der Sprache ihrer Vorfahren.

Sprache noch 120 Jahre nach Flucht lebendig

Das Werk entstand in Patouà und auf Deutsch und war schon oft Gegenstand sprachwissenschaftlicher Untersuchungen. Rund 60 Teilnehmer besuchten die Fachtagung über den Patouà Dialekt der Waldenser Glaubensflüchtlinge aus dem Piemont, die im Jahr 1699 hierher kamen. Moderiert wurde die Tagung von dem Sprachwissenschaftler Dr. Jürgen Eschmann aus Hersbruck bei Nürnberg.

Den Impuls dazu gab die Koordinatorin des Vereins Hugenotten- und Waldenserpfad, Dr. Renate Buchenauer. Partner dieser Veranstaltung waren Cornelia Schuler als Leiterin des Freundeskreises der Waldenser Pinache und Serres, sowie die evangelische Kirchengemeinde Pinache-Serres. Die Leitung der Tagung hatte der Karlsruher Historiker Albert de Lange. „Die Waldenser haben noch 120 Jahre nach ihrer Flucht bei uns ihren Dialekt gesprochen“, sagte Bürgermeister Karlheinz Oehler bei der Begrüßung der Tagungssteilnehmer und Referenten. Noch heute seien die Waldenser als ehemalige Glaubensflüchtlinge ihren Traditionen hier und im Piemont verbunden, führte Oehler aus. Deshalb sei vor diesem Hintergrund die heutige Politik zweifelhaft, die eine Assimilation und Integration von Migranten nach wenigen Jahren fordere, so Oehler.

Quelle: Amtsblatt der Gemeinde Wiernsheim