Helfen! Unterstützen! Nahe sein! Ein Auf-Ruf aus der Waldenserkirche Italien

Alessandera Trotta, Moderatorin der Waldenserkirche in Italien richtet sich mit einem bewegenden Brief an uns. Der Brief zeigt uns deutlich wie dringend notwendig es jetzt ist, jetzt als Unterstützer für die schwer angeschlagene Waldenserkirche in Italien aktiv zu werden! Herzlichen DANK an alle Menschen die aktiv mit anpacken!

Wer finanziell unterstützen möchte, kann dies über unsere Bankverbindungen tun:

  • Sparkasse Pforzheim-Calw IBAN: DE26 6665 0085 0000 981079 BIC: PZHSDE66XXX
  • Evangelische Bank IBAN: DE27 5206 0410 0000 4131 27 BIC: GEONDEF1EK1

Liebe Brüder und Schwestern,

die Folgen der raschen Ausbreitung von Covid-19 für unser Land sind sehr schwerwiegend, vor allem in Bezug auf die Zahl der Toten (ohne den Komfort ihrer Angehörigen und ohne die Möglichkeit einer Beerdigung) und die neuen Ansteckungen, mit der Folge eines sehr ernsten Drucks auf die Gesundheitseinrichtungen, die in vielen Gebieten des Nordens zum Zusammenbruch gekommen sind und in denen Ärzte, Krankenschwestern, Sozialarbeiter im Gesundheitswesen ununterbrochen und mit einem großen Geist der Selbstverleugnung arbeiten, krank werden und sterben, um so viele Leben wie möglich zu retten. Denken wir aber auch an die anderen Menschen, die sich auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Bereichen dafür einsetzen, dass das tägliche Leben der Bürgerinnen und Bürger weitergehen kann.

Die Auswirkungen des fast vollständigen Stillstands aller produktiven, schulisch-pädagogischen, aggregierenden Aktivitäten werden auch aus wirtschaftlicher und sozialer Sicht verheerend sein.

Auch für die Kirchen sind die Auswirkungen sehr schwerwiegend.

Unsere Kirchen in Bergamo, Brescia, Parma und Piacenza sind derzeit besonders von Trauer und Ansteckung betroffen, wir befürchten, dass dies in nicht allzu ferner Zukunft leider auch für andere Gemeinden geschehen wird.

Seit etwa drei Wochen sind alle Gotteshäuser geschlossen. Die Gemeindeaktivitäten sind eingestellt worden. Die Tavola Valdese ist bemüht, PfarrerInnen, Diakone, Kirchengemeinderäte und die Verantwortlichen unserer sozialen Einrichtungen zu ermutigen, die größtmöglichen Anstrengungen zu unternehmen, um auch in dieser extremen Situation nicht den Sinn und die Bedeutung des „Gemeinde sein“, zu verlieren. Und vor allem die älteren, gebrechlichen und einsamen Menschen mit allen möglichen Mitteln spirituell und auch materiell zu unterstützen und die Verkündigung, das Gebet und die Kommunikation aller Altersgruppen mit Hilfe der neuen Medien fortzusetzen.

Die Resonanz an Kreativität und „Teamgeist“ ist außergewöhnlich. Genauso wie auch das Engagement der diakonischen Einrichtungen außergewöhnlich ist, in dem Bemühen, die Pflege von älteren Menschen, Behinderten und Kindern zu gewährleisten. Auch für das Personal, das im engen Kontakt zu Leid und Unbehagen arbeitet und einem größeren Ansteckungsrisiko und der Gefahr des Burn-out, auf Grund der Isolation, in der es arbeitet, ausgesetzt ist, zu unterstützen; dabei wird auch versucht, eine negative Auswirkung auf die Arbeitsplätze weitmöglichst zu verhindern – vor allem, die am meisten von der Krise betroffen sind.

Eine besondere Notsituation stellen die beiden evangelischen Krankenhäuser in Neapel und Genua dar, die sich inmitten zahlreicher Schwierigkeiten auf eine dringende Reorganisation vorbereiten, um dem gesundheitlichen Notstand in ihren jeweiligen Regionen an vorderster Front zu begegnen.

Wir sind sicher, dass wir, wenn die Notlage vorbei ist, viel zu überdenken haben werden. Wir sind auch sicher, dass der Herr in dieser Zeit zu uns spricht, und wir erbitten die Hilfe seines Geistes, um gute Zuhörer zu sein.

Für unsere Kirche wird es aber auch sehr ernste wirtschaftliche Konsequenzen haben. Die Tatsache, dass keine Gottesdienste stattfinden, führt dazu, dass die Kollekten (mit denen die Kirchen die lokalen Ausgaben vor Ort decken), welche zudem auch zu einem Großteil  an die zentrale Kirchenkasse (zur Zahlung der Gehälter für PfarrerInnen und Diakone und für die Renten der PfarrerInnen im Ruhestand) gehen, nicht eingezogen werden können.  Die durch die Notsituation ausgelöste Wirtschaftskrise wird auch die Beitragskapazität der Kirchenmitglieder für lange Zeit stark beeinträchtigen. Dies wird sich auch negativ auf die Höhe und Regelmäßigkeit der Mietzahlungen für Gebäude und Wohnungen, die wir vermieten (mit denen die Ausgaben für die außerordentliche Instandhaltung der Immobilien gedeckt werden, aber auch ein Teil des Defizits der Verwaltung und der Personalkosten) auswirken.

Für die zusätzlichen spezifischen Bedürfnisse der Institute  und Werke sowie der beiden Krankenhäuser bereiten wir uns auf eine sorgfältige Bewertung der Prioritäten bei der Zuweisung der Höhe der Mittel aus „otto per mille“ vor, um Ressourcen sowohl für die Bedürfnisse der kircheninternen Organe als auch für die gesundheitlichen und sozialen Bedürfnisse des Landes freizusetzen, zu denen wir ebenfalls durch die Zuweisung entsprechender Mittel beitragen möchten.

Andererseits droht unsere ohnehin schon starke Fragilität dramatisch zu werden, wenn es um die Deckung der Gehälter für PfarrerInnen, Diakone, PfarrerInnen im Ruhestand und für einige laufende kirchliche Projekte geht – insbesondere im Bereich der Evangelisierung und der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen.

In allem bitten wir Sie, uns mit Ihren Gebeten und Ihrer Nähe zu unterstützen, die uns helfen, uns weniger einsam zu fühlen. Wir appellieren auch besonders an Sie, die Möglichkeit einer außerordentlichen Unterstützung der allgemeinen schwierigen Situation unserer Kirche in Betracht zu ziehen, die uns helfen wird, die sehr harten Monate, die vor uns liegen, zu bewältigen, die wir vor allem auch auf die Bedürfnisse der einzelnen Gemeinschaften konzentrieren möchten, die ihr Engagement, unter anderem auch diakonisch, fortsetzen, ja, in dieser Zeit sogar noch verstärken.

In der Gewissheit, dass der Herr des Lebens denjenigen, die sich auf ihn verlassen, nichts mangeln lässt – weder Trost, Unterscheidungsvermögen, Kraft noch Hoffnung – umarme ich Sie herzlich.

Moderatorin der Tavola Valdese

Diakonin Alessandra Trotta