Neues Spendenprojekt Krankenhausseelsorge in Italien

In Italien wird der Status des Krankenhaus- und Gefängnisseelsorgers nur einer einzigen Konfession zuerkannt, der katholischen. Die katholischen Priester, die diesen Dienst versehen, werden vom italienischen Staat bezahlt. Das bedeutet, dass alle anderen Konfessionen die Kosten für die Seelsorge im Krankenhaus und Gefängnis selber tragen müssen. Auch wenn die Waldenserkirche von der Wichtigkeit der Seelsorge an Kranken und Gefangenen überzeugt ist, hat sie aufgrund des Pfarrermangels und der fehlenden finanziellen Mittel keine Möglichkeit, volle Pfarrstellen in diesen Bereichen einzurichten.

Seit Jahren ist es für zukünftige Pfarrer und Pfarrerinnen verpflichtend, an einem KSA-Kurs (Klinische Seelsorge-Ausbildung) teilzunehmen. Alle Pfarrer/innen, selbst wenn sie nicht Krankenhausseelsorger werden möchten, sollen lernen, wie man kranken und sterbenden Menschen seelsorgerlich beisteht.

Der verantwortliche Pfarrer Sergio Manna ist der einzige evangelische KSA-Supervisor in Italien und übt dieses Amt seit 2003 aus. So hat die Tavola Valdese beschlossen, eine halbe Stelle seines Dienstes für die KSA-Projekte zur Verfügung zu stellen. Jedes Jahr bietet Pfarrer Manna einen KSA-Kurs für vier bis sechs Studierende der Waldenserfakultät an. Jeder Studierende hat die Möglichkeit, vier Wochen lang täglich im Krankenhaus als Seelsorger zu arbeiten; dabei besucht der Studierende Kranke, nimmt an Seminaren mit Theologen, Ärzten, Krankenschwestern, Psychologen usw. teil, erhält individuelle und kollektive Supervision und schreibt und diskutiert Berichte (Verbatim) seiner Besuche.

Die Hauptidee ist, dass jeder Pfarrer lernen muss, auch den Menschen, das “menschliche lebende Dokument” (the living human document), wie der Vater der KSA, Anton Theophilus Boisen (1876-1965), zu sagen pflegte, zu lesen und zu verstehen. Nur so kann Seelsorge authentisch und wirksam sein.

Da es in Italien viele diakonische Einrichtungen gibt, ist auch eine seelsorgerliche Ausbildung für die dort ehrenamtlich tätigen Menschen immer wichtiger geworden. Deshalb hat die Waldenserkirche Pfarrer Manna gebeten, Kurse nach den KSA-Prinzipien auch für Laien anzubieten. In den letzten Jahren hat Pfarrer Manna Kurse für Besuchsdienste in den Waldensertälern und der Diaspora organisiert. „Unser Ziel ist es, dass es in einigen Jahren in allen Gemeinden in Italien Gruppen von seelsorgerlich gut ausgebildeten Brüdern und Schwestern gibt, die ihren Dienst in Krankenhäusern, Alten- heimen und Gemeinden im Geist der “mutua consolatio fratrum” (gegenseitigen geschwisterlichen Tröstung) versehen, dem biblischen Prinzip, das den Reformatoren so wichtig war.“ Seit 2014 finden die KSA-Kurse im internationalen evangelischen Krankenhaus in Genua statt.