Integration damals und heute war Thema auf Waldensertag

Über 200 Personen kamen zum Deutschen Waldensertag, der mit der Darbietung der Chöre in der Waldenserhalle Pinache am Sonntag, 16. September 2018, eröffnet wurde. Nach den Grußworten wurde um 11 Uhr, 11.40 Uhr und zusätzlich um 15 Uhr zu den Vorträgen in Kirche und Schulhaus eingeladen, die von Pfarrer Ollearo, Dr. de Lange und Prof. Dr. Ehmer gehalten wurden. Leckere Maultaschen stärkten die Besucher über die Mittagszeit. Anschließend konnte man sich mit Kuchen und Torten aus dem reichhaltigen Angebot verwöhnen lassen. Vor dem Gottesdienst um 16 Uhr, der sehr gut besucht war, konnte man noch das Museumsstüble und die Kirche besichtigen oder einfach die Zeit zum Gespräch nutzen.

So ein Veranstaltungswochenende ist ohne ehrenamtliche Helferinnen und Helfer nicht zu bewältigen. Deshalb sei hier allen, die an diesen Tagen mitgeholfen haben, Kuchen gebacken, Brezeln geschmiert oder in der Küche tätig waren, beim Auf- und Abbau geholfen, Gäste aufgenommen und begleitet haben, ganz herzlich gedankt. Ein besonderer Dank geht an die Gemeinde Wiernsheim, die uns die Waldenserhalle zur Verfügung gestellt und uns auf vielfältige Weise unterstützt hat.

Herbert Temme (DWV), Wolfgang Herz (Landkreis), Pfarrer Davide Olleardo, Dekan Jürgen Huber und Bürgermeister Karlheinz Oehler (v. l. n. r.)

Religions- und Glaubensfreiheit sind wichtig.

„Lux lucet in Tenebris“ – „Das Licht leuchtet in der Finsternis“. So lautet ein weit verbreiteter Spruch der Waldenser, die im Jahr 1699 aus dem Chisonetal in unsere Gegend kamen. Beim Pinacher Waldensertag am 16. September 2018, der von der Deutschen Waldenservereinigung e. V. mit Sitz in Ötisheim und der evangelischen Kircchengemeine Pinache-Serres veranstaltet wurde, spannten die Grußredner allerdings auch den Bezug zu den heutigen Flüchtlingen und die aktuelle politische Wahrnehmung. „Die Geschichte lehrt uns, wie wichtig Religions- und Glaubensfreiheit ist,“ so Dekan Jürgen Huber vom evangelischen Kirchenbezirk Mühlacker, nachdem Herbert Temme als Vorsitzender der Waldenservereinigung und Pfarrer Friedrich Hörger die rund 200 Gäste in der Pinacher Festhalle begrüßt hatten.

Integration gelang damals, sie gelingt auch heute.

Eingestimmt wurden die Grußredner musikalisch von den Sängern, die einen Gemeinschaftschor gebildet hatten aus dem Frauenchor Pinache, dem Männergesangverein Concordia Pinache und dem Männersangverein Liederkranz Serres unter dem Dirigat von Ernst Eberlein.

Der Enzkreis sei eng mit der Geschichte der Waldenser verknüpft, erläuterte Landratsstellvertreter Wolfgang Herz. „Es ist dem Engagement der Nachfahren dieser Glaubensflüchtlinge, aber auch zahlreicher kulturell-historisch Interresierter zu verdanken, dass in fast allen Waldensergemeinden die Tradition in vielfältiger Weise gepflegt wird“, sagte Herz. Die Verteilung der Geflüchteten sei damals gelungen und sie gelinge auch heute, so Herz.

Spricht Petrus nur französisch?

Migration sei die Muterr allen Bösen, zitierte Bürgermeister Karlheinz Oehler den deutschen Innenminister Horst Seehofer. Aber: „In unserem Saal sitzen heute die Ergebnisse der Migration vor 300 Jahren“, sagte Oehler. Daran sehe man, wie Teile der heutigen Politik „ad absirdum“ geführt würden, so Oehler. Denn Flucht geschehe nicht freiwillig, sondern unter politischem Zwang. Fünf Generationen lang hätten die Waldenser bei uns noch französisch gesprochen. Und Oehler verweis auf einen Waldenser, der sogar Angst davor gehabt habe, wenn er im Himmel vor Petrus stehe, dass jener ihn nicht verstehen würde, wenn er nicht französische spreche. „Wenn heute bei uns jemand nach fünf bis sechs Jahren nicht integriert ist und Deutschland als seine Heimat betrachtet, dann stimmt mit ihm etwas nicht“, sagte Oehler. Das sei Auffassung hierzulande.

„Ein Baum braucht Wurzeln zum Leben“, sagte der italienische Pfarrer Davide Olleardo aus Villar Perosa. Mit verschiedenen Veranstaltungen und Vorträgen in der Pinacher Kirche und im Schulhaus ging der Waldensertag weiter und klang dann mit einem Abschlussgottesdienst in der Waldenserkirche aus.

Quelle: Amtsblatt der Gemeinde Wiernsheim